Ein Interview von Prof. Dr. Dr. Juhani Laurinkari mit Immo Buhl
 

Wie hat sich Ihre Bewegungsmethode mit beinhalteter Tanztechnik entwickelt?

Meine Methode ist aus dem künstlerischen Moment geschaffen das heißt: zu wissen wie sich ein menschlicher Körper bewegen kann, wenn er das Physische - seelische - geistige in einer Trainingsarbeit zusammen bringt. Also Trainingstechnik wird nicht getrennt erarbeitet ohne seelisches - geistiges, sondern sofort zusammen. Der Mensch lernt sofort jede kleinste Bewegung zu empfinden das heißt mit seiner schöpferischen Idee zusammen zu setzen.

Warum ist es in der heutigen Zeit so schwer zu verstehen?
Der Tänzer steht in der Mitte dieser Welt und spürt die Bewegung um sich herum, die Bewegung die aus der Gedankenwelt der heutigen  Menschen herausströmt. Diese Gedankenwelt der heutigen Menschen bewegt ihn unbewusst. Wird es ihm bewusst, so darf er nicht sich mit ihnen verbinden und sie darstellen mit seinem Körper, den so verdoppelt er diese Gedankenwelt. Sondern er muss lernen sie zu erkennen und umzugestalten in eine Körpersprache die seinem Körper und dem Körper der anschauenden Menschen wieder schöpferische Kraft und vorwärtsdrängende Kraft gibt.

Wie erreichen Sie das mit ihren Schülern?
Um das zu erreichen braucht es eine besondere Körperschulung, Ausbildung des anatomisch- und seelisch- geistigen wissen das in meiner Tanztechnik enthalten ist.

Wie sehen sie die Tanzkunst in ihre Bewegungsmethode in ihrer künstlerischen Choreographischen Gestaltung?  
Ich sehe den künstlerischen Tanz  nicht in der äußeren Welt, sondern in der Umgestaltung der äußeren Welt. Nur so bekommt die  tänzerische, künstlerische, choreographische Arbeit einen gesundenden Sinn. Im modernen Tanz hat sich das von Anfang an so entwickelt und muss sich so weiter entwickeln. Denn die Tanzkunst sollte nicht künstlich (Akrobatik, Gymnastik , Sport u. s. w.) sein, sondern die Tanztechnik  sollte in das Künstlerische gehen.

Wo heraus hat sich ihre Tanzmethode und Technik entwickelt?
Ich habe eine Tanzmethode und Technik entwickelt aus der Loheland - Körperarbeit und der Martha Graham Technik und dem Ausdruckstanz von Mary Wigman. Und so ist die spezielle Tanztechnik und Methode meiner Tanzarbeit nur an meiner Schule erlernbar oder von den in meiner Schule ausgebildeten Tänzern. 
Ich habe meinen Tanz im Sinne der großen  modernen Tänzer der Vergangenheit weiterentwickelt und er geht in die zukünftige Tanzarbeit und greift nicht schon da gewesenes auf. Schüler die an meiner Schule lernen sollen die Möglichkeit haben durch diese Ausbildung den Tanz weiter entwickeln zu können. Mein Tanz ist, was Tanz ist: Bewegung des physisch - seelisch - geistigen.

Interview:  Prof. Dr. Dr. Juhani Laurinkari

 

Immo Buhls Tanz
Auf der Suche nach der verlorenen Einheit: So ließe sich der Weg beschreiben, den Immo Buhls Tanz seit Jahren konsequent verfolgt. Die ursprüngliche Einheit von Gefühl und Ausdruck, Tanz als Lebensäußerung und Lebensaufgabe, das sind die Ziele einer Arbeit, die künstlerische Darstellung und pädagogische Ausbildung verbindet. 
Eigenes Erleben stand am Anfang: Während eines langen Afrika-Aufenthalts lernte Immo Buhl, wie im Zusammenwirken von Musik, Rhythmus und ritueller Sinngebung das Tanz zum natürlichen, aber Verlierbaren Ausdrucksvermögen der Menschen gehört. Die Trennung von Kultus und Kunst führte im Abendland zur Dualität der formalisierten Ästhetik klassischen Balletts auf der einen Seite und der entleerten höfisch-bürgerlichen Konvention des Gesellschaftstanzes auf der anderen.
Verschüttet wurde die archaische Einheit von innerer und äußerer Bewegung, vergessen die Kraft des Tanzes als Körpersprache der Seele. Aber nicht die Imitation fremder Kulturen, sondern die Übertragung dieser Erfahrung wurde für Immo Buhl Programm, als sie nach einer mehrjährigen Ausbildung in Modern Dance daran ging, ihren eigenen Stil und somit auch ihre eigene Tanztechnik zu finden und 1976 eine Company mit angeschlossener Schule zu gründen.
Die Rückgewinnung begann tastend, wurde für Immo Buhl zunächst zur Probe auf jene Musik, die emotionale Identifikation bot: Rock, Jazz, Romantik, Elektronik u. a.. Von Bildern schritt man fort zu Geschichten, zu Tanzdramen, die mitunter literarische Vorlagen nutzen (Shakespeare, Lorca usw.), allerdings nur als Zitat, als Einstieg zum Entdecken existentieller, tieferliegender mythischer Muster.
Die Suche nach der alten Einheit von Ausdruck und Tanz war auch eine Suche nach verlorener Harmonie. Schon das Training von Immo Buhls Tanz geht aus, hier anthroposophische Einflüsse nicht leugnend, von Körperbejahung, vom Einklang zwischen Sein und Natur. Beherrschendes Stilmoment aller Choreographien Immo Buhls ist die zum Ornamentalen neigende Ganzheit von Gestern, Mimik und Kostüm, dem Fluss der Bewegung entspricht das Fließen der Musik. Gegen die entstellten, mechanisierten, zweckrationalen Verhaltensweisen erstarrten Körperhaltungen des Alltags steht hier die Freisetzung verdrängter Gefühle und natürlicher Expressivität. Fantasie und Traum sind die Bezugswelten, die künstlerische Vermittlung wird zum Schlüssel für diese Chiffren, nicht über den Kopf, sondern über die Sinne sind die Zuschauer zu Wiedererkennen, zum Verstehen eingeladen.

Der Anspruch dieser Tanzkunst ist hoch, sie hat es schwer gegen gängige Trends und Moden, weil es ihr auf Wahrheit ankommt, keine des Verstandes, solche der Seele – lateinisch „anima“. Animationen in diesem Sinn sind die Vorstellungen von Immo Buhl. Noch ist sie nicht gefunden, die verlorene Freiheit, aber mitsuchen können wir und teilnehmen an Erfahrungen, die uns bewegen. Bewegung durch Bewegung.


Pressestimmen:
 

Eine Unendliche Bewegung
Ihr tänzerische Form entsteht gleichsam von innen heraus, wie in einem evolutionären Prozess, der das Auge anfangs gar nicht wahr zu nehmen vermag, der in seiner Folgerichtigkeit aber immer wieder an die morphologischen Theorien Goethes erinnert. Der Ausdruck, den Immo Buhl erzielt, ist also keineswegs das Ergebnis irgendeines Zufalls, sondern Teil einer genauesten Überlegung, die sich ihre Form sucht. Vieles besitzt deshalb ursprüngliches. Einiges assoziiert Asiatisches. In manchen Augenblicken fühlt man sich in einer Welt Automation versetzt, in der totale Unterordnung triumphiert. In allen Sätzen ihres Stückes- "Morning Dawn", "Sunrise", "Tenderness", "At the Gates of Darkness" oder "Pure Light"- aber erkennt man einen Gestaltungswillen, der ganz und gar eigen ist. Immo Buhl mag Carolin Carlson vergleichbar sein. Eine unverwechselbare Persönlichkeit ist sie in jedem Fall. Tanzkritiker, Hartmut Regitz

Moderner Tanz in Reinkultur
Der Moderne Tanz konnte sich gegenüber der Übermacht des klassischen Balletts nicht durchsetzen. Heute verhält es sich anders. Es hat den Anschein, dass die Zahl seiner Anhänger stetig anwächst. Die Immo Buhl Dance Company bot in Freiburg einen modernen Tanz im Stile unserer Zeit. Diese Company bewahrt von der Natürlichkeit des Bewegungsausdrucks, ohne in Banalitäten oder Naivitäten abzugleiten, wie das im modernen Tanz gelegentlich der Fall ist. Im Gegenteil, selten sieht man intelligent gemachte Choreographien, die zugleich derart intensiv und präzise bis ins Detail getanzt werden. Hier scheint der Körper Mensch gewordener Ausdruck zu sein, von der Spitze des Fußes bis in den Blick der Augen hinein. Der Tanz liegt gleichsam in einem archaischen Bereich des Vorbewussten, zu dem keine Wörter mehr dringen. Es erstehen Bilder, es ersteht Ausdruck.          Freiburg / Südkurier-F.Otterbach

 

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